Lösche Deinen Hass!

 

Flüchtlingsheim Husarenhof brennt

Zwei Fälle, ein Fazit:

- Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigt den Schuldspruch gegen einen früheren KZ-Aufseher. Der heute 95-jährige Oskar Göring ist damit rechtskräftig der Beihilfe zum Mord in, man mag das kaum schreiben, 300.000 Fällen verurteilt. (Mehr darüber steht hier.)

- Das Amtsgericht Bautzen verurteilt zwei 21-jährige zu Haftstrafen von 2 1/2 bzw. 3 Jahren ohne Bewährung, sie haben die Löscharbeiten beim Brand der Flüchtlingsunterkunft "Husarenhof" Ende Februar 2016 massiv gestört. (Weitere Infos zum Fall: Brand im Asylheim - hohe Haftstrafen)

Zudem häufen sich die Verurteilungen gegen strafrechtlich relevante Hasskommentare im Netz. Die Justiz scheint ihren Kurs zu änderen, es sich in der zweiten Reihe gemütlich zu machen, funktioniert nicht weiter. Nicht mehr nur all diejenigen werden hart bestraft, die eine Tat unmittelbar ausführen, sondern auch immer mehr, die diese Ausführung begünstigen, ihr zuspielen. Beihilfe zum Massenmord in der NS-Zeit, Behinderung von Löscharbeiten beim Brand einer Asylunterkunft, und digitale Aufrufe zur Volksverhetzung, die auch nichts anderes als Gewaltbegünstigungen sind.

Unsere Gesellschaft ist im Umbruch. Unter dem Deckmantel der Meinungsfreiheit wird Hass verbreitet, nicht wenige billigen das. Jugendliche mucken volltrunken gegen Polizisten auf, die Löscharbeiten beaufsichtgen müssen (!), und bekommen dafür sogar noch Applaus von Bürgern, die sich als "ganz normal" bezeichnen. Doch wenn wiederum ein 95-jähriger hart verurteilt wird, weil er als junger Mann die Tötungsmaschine der Nazis mit am Laufen gehalten hat, dann zeigen einige überraschend viel Verständnis: "Er konnte damals nicht anders", "er wird es nicht so gemeint haben", und - das einzige Argument in dem Zusammenhang, das ich gelten lasse - "wer weiß, wie wir uns verhalten hätten?" Richtig, ich bin mir nicht sicher, ob es im Dritten Reich bei mir zum Helden gereicht hätte. Helmut Kohl hat das mit der "Gnade der späten Geburt" ganz gut beschrieben. Über dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte, über die Mitläufer jener Zeit zu urteilen ist besonders schwierig. Denn wir wissen ja, was für eine Katastrophe sie begünstigt haben. Der junge Oskar Göring dachte damals sicher, alles richtig zu machen. Er bekam Anerkennung, Applaus. Jedoch von der falschen, menschenverachtenden Seite. Der Lauf der Geschichte, unser Wissensvorsprung, beweist eines: Anerkennung muss nicht zwingend ein guter Ratgeber sein. Doch es gibt einen anderen, immer zuverlässigen. Nach dem Krieg wurde man sich seiner wieder bewusst, und die Abgeordneten sind deshalb ihm allein verpflichtet - dem Gewissen

Es tut gut, sich wieder einmal auf das Gewissen zu besinnen. Sich nicht aufwiegeln zu lassen. Hass schlummert leider in jedem von uns. Besonders bei Unzufriedenheit haben Zündler leichtes Spiel, ihn zum Brennen zu bringen. Dann helfen Löscharbeiten mit klarem Wasser und kühlem Kopf. Der 95-jährige Oskar Göring wird seine vierjährige Haftstrafe kaum absitzen müssen, sein Gesundheitszustand und sein Alter lassen das gar nicht zu. Ganz nach dem Leitsatz gewissenhafter Manager "Hart in der Sache, weich zu den Menschen" funktioniert nämlich auch unser Rechtsstaat. Gut, dass er danach wieder handelt.