"Hart bestrafen!" - Ich kann es nicht mehr hören

Faster Film Gefaengnisinsasse Dwayne Johnson

Strafverteidiger haben es derzeit doppelt schwer. Sie müssen sich vor der Staatsanwaltschaft rechtfertigen - und vor der Öffentlichkeit. Denn die Rufe nach harten Strafen werden immer lauter. Selbst für Täter, die gar keinen Migrationshintergrund haben. Sorry, kleine Spitze. Was aber bringen harte Strafen? "Gerechtigkeit!", höre ich einige rufen. Ist es tatsächlich gerecht, wenn wir einen Räuber nach seiner Tat um viele Jahre seines Lebens berauben, und damit wahrscheinlich seiner Zukunft? "Abschreckung!", kommt gern als nächstes wie aus der Pistole geschossen. Tut mir ja leid, stimmt auch nicht. Alle Erfahrungen und Statistiken belegen: Extrem harte Strafen bringen nicht weniger Kriminalität, sondern mehr. Härte erzeugt härtere Härte, das wissen Schmiede wie Psychologen gleichermaßen. Die so gern belächelten Sozialstunden machen Täter tatsächlich oft zu besseren Menschen, der Knast (und der ist mit "Hart bestrafen!" meist gemeint) tut es hingegen weit weniger. Da geht ein Gelegenheitsdieb rein und kommt als Dealer wieder raus. So die Realität. 

Das Landgericht Düsseldorf hat zwei Täter verurteilt, 24 und 21 Jahre alt. Sie haben im Sommer 2014 einen anderen jungen Mann ausgeraubt, ihn mit dessen Sachen an einen Baum gefesselt und fast nackt zurückgelassen. Übel, keine Frage. Das Schmerzensgeld von 5.000 Euro geht deshalb in Ordnung. Die zudem verhängten, extrem harten Strafen von acht bzw. fünfeinhalb Jahren Freiheitsentzug sind eines Rechtsstaates jedoch unwürdig, sie setzen auf Erniedrigung statt auf Einsicht und Versöhnung. Ein gefährliches Urteil. Dem ich als Fachanwalt für Strafrecht mit aller Kraft widerspreche. 

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(Bild: PR Film "Faster", Sony Pictures)