45 Minuten zu spät. 400.000 Euro Schmerzensgeld?

Es war eine ganz normale Schwangerschaft. Alle Untersuchungen hatte Irene K.* absolviert. Nichts gab es zu beanstanden. Bis der extra aufgesuchte Facharzt für Gynäkologie und Geburtenhilfe diesen dramatischen Befund machte. Ihr Ungeborenes litt unter einer Sauerstoff-Unterversorgung, die umgehende Entbindung war unabdingbar. Der Arzt jedoch hatte den Befund selbst erst nach ca. 50 Minuten zur Kenntnis genommen. Und ihn dann (was nicht zu beanstanden ist) mit einer Ultraschalluntersuchung abgesichert. Danach riet er der Mutter nach Hause zu fahren, ein paar Sachen zu packen, und die Geburtsklinik aufzusuchen. Weil der Mutter hierdurch nicht deutlich wurde, wie Ernst die Lage war, kam es erneut zu einer Verzögerung, diesmal von 15 Minuten.

Das Kind hatte bei Geburt einen schweren Hirnschaden.

Laut dem Gerichtsgutachter muss ein Facharzt solch einen schwerwiegenden Befund spätestens nach 20 Minuten sichten. Und dann nach einer umgehend zu erfolgenden zweiten Untersuchung ggf. dafür sorgen, dass die Mutter auf dem schnellsten Weg - notfalls per Rettungsambulanz - in die Klinik gelangt. Im vorliegenden Fall sei es nicht auszuschließen, dass die schweren Schäden beim Kind hätten vermieden werden, oder milder ausfallen können, wäre so zeitnah wie möglich entbunden worden. Aufgrund der vom Arzt zu verantwortenden Verzögerung von rechnerisch 45 Minuten wurde er deshalb zu einer Zahlung von 400.000 Euro Schmerzensgeld verurteilt. 

(* Name geändert, OLG Hamm, Az. VI ZR 178/18, es wurde Nichtzulassungsbeschwerde beim BGH eingelegt, Bild: www.baby-center.de ) 

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