Müssen Escorts ihre Bilder selbst zahlen?

 

Jan D. hatte nicht so einen guten Lauf. Vor einem halben Jahr hatte er seinen Job verloren. Und nun gab’s offenbar kein Sportstudio, dass ihm wenigstens halbwegs annehmbare Konditionen bot. Honorarkräfte oder Studenten wurden gesucht. Bestens ausgebildete Sport- und Fitnesskaufleute aber nicht. 

„Du bist sportlich, gepflegt, kannst dich gut mit anderen unterhalten?“, las er da eines morgens. Nach kurzem Blick auf sein leeres Bankkonto schickte er eine Mail. Gleich mit einem Foto. Man freue sich auf die Zusammenarbeit, antwortet die Escort-Agentur bereits wenig später. Und verkündete: Er würde in kurzer Zeit viel Geld verdienen. Nur andere Bilder, die bräuchte man schon. Jan sagte einen Termin fürs Fotoshooting zu. Bereits am Vortag beschlich ihn dann eine böse Ahnung. Wer denn die Kosten übernehme, fragte er deshalb nach. Die trage branchenüblich der neue Escort, teilt man ihm mit. Das wäre aber kein Problem, die 800 Euro hätte er in wenigen Tagen abgearbeitet. Beim Shooting kam dann noch ein bisschen was dazu. Schlechtes Wetter machte Außenaufnahmen von Jan in Boxershorts unmöglich. Zwei Hotelzimmer wurden angemietet. Auch diese 700 Euro sollte Jan tragen.

Fotos bekam er nicht zu sehen. Escort-Kunden ebenfalls keine. Nur die Rechnung fürs Shooting erhielt er ein paar Wochen später. Und verweigerte die Zahlung, auch vom Mahnbescheid ließ Jan sich nicht in die Knie zwingen. 

Hat er richtig gemacht. Denn hierbei handelt es sich klar um ein widersprüchliches, treuwidriges Verhaltens nach § 242 BGB. Zudem wurde Jan in eine Zwangslage gebracht. Ohne Hotel keine Bilder, die 800 Euro fürs Shooting hätte er trotzdem zahlen sollen. Dass so etwas „branchenüblich“ sei und Jan die Kostenübernahme sogar unterschrieben hat, beeindruckte das Gericht nicht: „Die Branchenüblichkeit einer unangemessenen Regelung allein könne nicht zur Angemessenheit der Regelung führen“, stellte es klar. 

Inzwischen ist Jan stellvertretender Studio-Manager bei einer internationalen Fitness-Kette. Eine Karriere, die ihm deutlich lieber ist, sagt er zwinkernd. Genau wie das Bild seines alten Escorts, das er bei der Bewerbung damals spaßeshalber mitgeschickt hatte. 

(Nach einem Urteil vom Amtsgericht München, AZ 243 C 8000/16, Bild: Ford PR, Autoarchiv)