Ein wiedergefundenes Lächeln

Rentnerin, Deutsche Rentenversicherung, Dame

Neulich kam Susanne H. mit ihrer Mutter Marlis M. zu uns in die Kanzlei. Die ältere Dame war zerknirscht, weil ihre Tochter sich für sie einsetzte, wollte lieber „keinen Ärger machen“. Dabei war sie von einer überforderten Mitarbeiterin des Jobcenters äußerst unwürdig behandelt worden. Die Mutter dreier, inzwischen erwachsener Kinder hatte einen Termin nicht wahrgenommen. Ihre spätere, telefonische Erklärung wurde aufgrund der überfüllten Situation noch nicht einmal angehört, statt dessen folgte schriftlich die Ankündigung einer Sanktion: Drei Monate langt sollte ihr Geld gekürzt werden. Sie hätte das hingenommen, wäre eben noch sparsamer gewesen. Doch als Susanne H. das Schreiben sah, riss ihr der Geduldsfaden. Viele Jahre hatte ihre Mutter in einer Fabrik gearbeitet, 2009 war die Firma dann geschlossen worden, Marlis M. ist inzwischen praktisch nicht mehr vermittelbar. Da sie ungern von staatlicher Unterstützung lebt und viel zu wenig Geld zur Verfügung hat, meckert sie über ihre Mitmenschen. Schließlich tun von denen viele etwas, was sie nie gelernt hat: Die eigenen Rechte wahrnehmen. Der Staat verschenkt keine Almosen, es ist seine Pflicht, für alle zu sein. Arbeitsplätze gehen verloren, andere, besonders im digitalen und Dienstleistungs-Bereich, entstehen. Darüber zu schimpfen mag den persönlichen Frust befreien, bringt aber ansonsten nichts. Die Sanktion hatten wir schnell vom Tisch, das Jobcenter konnte noch nicht einmal nachweisen, dass die Termin-Einladung überhaupt zugestellt worden war. Nachdem ich den Hörer wieder aufgelegt hatte, tat Marlis M. dann etwas für sie Ungewöhnliches: „War gut, dass wir herkommen sind“, stimmte sie ihrer Tochter zu. Und ertappte sich sogar bei einem kurzen Lächeln. 

Einfach Recht bekommen, wir machen das! Ihr Fachanwalt für Sozialrecht, Gerhard Rahn

(Bild: www.deutsche-rentenversicherung.de - Hier finden Sie alle Informationen zur Rente, auch zum Thema Frühverrentung.)