Hätten Sie doch geschwiegen, Frau Pechstein!

 

Claudia Pechstein

Stets haben Sie behauptet, nie gedopt zu haben. Die Auffälligkeiten bei ihren Blutwerten stammen von einer Erbkrankheit, beteuern Sie seit Jahren, und Mediziner bestätigen diese Möglichkeit. Wenn dem tatsächlich so ist, haben Sie wirklich sehr viel Pech gehabt. Ihnen ist dann großes Unrecht widerfahren, keine Frage. Und jetzt wurde nun auch noch ihr Sieg vorm Oberlandesgericht München in der Revision vom Bundesgerichtshof (BGH) wieder einkassiert. Sie hatten ja versucht, zivilrechtlich gegen die finanziellen Folgen der von einem Sportschiedsgericht gegen sie verhängte, zweijährige Sperre, zu klagen. In der Tat sollte man sich fragen, ob solche Sportgerichte, wie von den Verbänden behauptet, unabhängige Entscheidungen treffen können, bzw. das überhaupt wollen. Eine Reform dieser zweifelhaften Eigenjustiz des Sports wäre wünschenswert gewesen, das hätte untermauert, dass die Sportverbände endlich Ernst damit machen, den eigenen Klüngel zu beenden. Das heutige Urteil hat solchen Schiedsgerichten leider höchstrichterlich die Unabhängigkeit bescheinigt und diese Hoffnung damit zunichte gemacht. Es ist deshalb ein ärgerlicher Richtspruch, insgesamt, und ganz besonders natürlich für Sie, unsere ehemalige Eis-Flitzerin, die wir so oft und gern bewunderten. 

Was aber machen Sie? Hauen danach diesen Spruch raus: "Flüchtlinge genießen Rechtsschutz. Wir Sportler nicht." Möchten Sie wirklich mit jemandem tauschen, der in einem fremden Land gerichtlich darum kämpfen muss, nicht abgeschoben zu werden, zurück in den Krieg? Oder in die Armut? Sie hätten auch "Hartz IV Empfänger genießen Rechtsschutz. Wir Sportler nicht", sagen können, oder "Pflegekinder". Doch damit lässt sich freilich nicht so hübsch auf der Welle des gerade angesagten Frust-Populismus surfen. Schwache Fremde müssen es da schon sein.
Ach, hätten Sie doch bloß geschwiegen. Wir wären so gern auf Ihrer Seite gewesen! 

#Pechstein #BGH #Doping 

(Bild: PR Claudia Pechstein)