Schmerzensgeld im Strafprozeß?

 

Baby guckt uebers Bettchen

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat ein hartes Urteil gegen eine Hebamme bestätigt. Die Angeklagte hatte eine Gebärende trotz erheblicher Komplikationen nicht ins Krankenhaus eingeliefert, sondern die Geburt in einem Hotelzimmer über 18 Stunden lang ohne ärztliche Hilfe begleitet. Als der Säugling endlich das Licht der Welt erblickte, verstarb er unmittelbar aufgrund von Sauerstoffmangel. Das Landgericht Dortmund hatte die Angeklagte deshalb im Oktober 2014 zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren und neun Monaten verurteilt und ihr ein lebenslanges Berufsverbot ausgesprochen. Zudem, und das lässt bei dem tragischen Fall aufhorchen, wurde laut BGH auch die "Ädhäsionsentscheidung zugunsten der Eltern des Tatopfers" in der Revision bekräftigt.

Was bedeutet das?

In einem Strafprozeß ist es möglich, Schmerzensgeld (bzw. Schadensersatz) per Ädhäsionsverfahren miteinzufordern, so dass dann kein zweites, zivilrechtliches Verfahren mehr erforderlich ist. Der o.g. Fall ist hierfür ein klassisches Beispiel, denn durch das dort gewählte Ädhäsionsverfahren mussten sich die Eltern nicht nochmals, in einem möglicherweise langwierigen, neuen Prozeß, mit den Details ihrer schmerzvollen Erfahrung auseinandersetzen, ihre (berechtigte) Entschädigungsforderung wurde also an das strafrechtliche Verfahren drangehangen. Noch immer wird diese Möglichkeit, die allen Beteiligten praktisch nur Vorteile bietet, jedoch vergleichsweise selten genutzt, sie ist schlicht zu wenig bekannt. Das Hebammen-Urteil vom BGH bietet nun eine gute Gelegenheit, dies zu ändern.

Unser Kanzlei berät gern über die Chancen eines Ädhäsionsverfahrens in einem Strafprozeß. 

#Ädhäsionsverfahren #BGH #Strafprozeß

(BGH 4 StR 428/15, Vorinstanz LG Dortmund AZ 37 Ks 3/11, Bild: Berufsbildungszentrum www.asklepios.de - bei Hebammen / Entbindungshelfern kann eine gute Ausbildung lebensentscheidend sein.)