Wie können vor Gericht gleich ZWEI Anwälte gewinnen?

 

Eingang Landgericht Amtsgericht Rheinland-Pfalz

Wenn ein Mandant das Vertrauen verliert und die Zusammenarbeit, aus welchen Gründen auch immer, während eines Verfahrens beendet, kann das zu unerwarteten Problemen führen. 

Am 02. August 2016 verteidigte ich vorm Amtsgericht Mainz einen Kollegen. Er hatte den üblichen Vorschuss einer Rechtsschutzversicherung für eine mündliche Verhandlung erhalten, doch dann hatte sich die Mandantin von ihm getrennt. Diesen Vorschuss hätte er sofort in einer Schlussrechnung verrechnen müssen. Konnte er aber nicht, da die Kostenfestsetzung vom Gericht erst ein Jahr später kam. Und weil der Kollege viel zu tun hat, brauchte er für seine Rechnung dann auch noch einmal ein halbes Jahr. Okay, das hätte man schneller hinbekommen können. Dem Generalstaatsanwalt reichte diese Verzögerung leider, um den Kollegen der Untreue nach § 266 StGB zu beschuldigen und einen saftigen Strafbefehl zustellen zu lassen. Weshalb diese harte Maßnahme, bleibt sein Geheimnis.

Übrigens: Der Kollege hätte sich vor Gericht auch selbst verteidigen können, das tun Anwälte aber in der Regel nicht. Eine alte Anwaltsweisheit lautet: „Ein Anwalt, der sich selbst vertritt, hat einen Esel als Mandanten“. Bedeutet, niemand kann seinen eigenen Fall objektiv beurteilen, so etwas tun also nur Esel. Für den Kollegen sollte sich unser Einsatz lohnen, der Richter konnte nach Anhörung unserer Argumente den Tatbestand der Untreue nicht erkennen. Eine Verzögerung der Abrechnung um sechs Monate reiche hierfür nicht aus, so sein Urteil. 

Und über das freuten sich dann gleich zwei Anwälte mächtig.